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Die Vermarktung der Tiere (3/4) – Hühner und Eier

Hühner werden sowohl zur Eier-, als auch zur Fleischproduktion genutzt. In Hinblick auf die Vermarktung werden in diesen beiden Sektoren unterschiedliche Vermarktungsstrategien verfolgt. Das Huhn als Eierlieferant wird bei der Vermarktung aktiv gezeigt, deutlich mehr, als in seiner Rolle als Fleischlieferant. Doch generell werden Eier deutlich weniger beworben als andere tierische Nebenerzeugnisse, wie zum Beispiel Milch.


Wenn in einer Werbung Eier beworben werden, handelt es sich beinahe ausschließlich um Eier aus Freilandhaltung. Bodenhaltung wird eher selten beworben, abgesehen von Prospektwerbung. Tatsächlich weicht das Bild, welches in der Werbung vermittelt wird, weniger stark von der Werbung ab, als es z.B. bei der Milchproduktion der Fall ist. Freilandhühner haben im Vergleich zu anderen Nutztieren relativ viel gesetzlich vorgeschriebenen Auslauf. Zusätzlich zu den Vorgaben der Bodenhaltung (9 Hennen pro nutzbarem Quadratmeter Stallfläche) steht den Freilandhühnern ein Auslauf von mindestens 4 qm pro Henne zu. In Deutschland wurden im Jahr 2019 48 Mio. Legehennen gehalten, nur 15% davon jedoch in Freilandhaltung. Die meisten Eier, die in Deutschland vertrieben werden, stammen demnach aus Bodenhaltung, die alles andere als artgerecht ist. Dieser Umstand wird jedoch durch die fehlende Repräsentation der Bodenhaltung in der Vermarktung verdrängt und die Eier aus Freilandhaltung werden vom Konsumenten unbewusst als Standard abgespeichert.


Die Vermarktung von Hühnerfleisch hingegen funktioniert ganz anders und ähnlich wie die vom Schweinefleisch – Das Tier bleibt außen vor. Es wird nur das Produkt beworben, das Tier, welches der Rohstoff für dieses Produkt ist, wird zum Teil nicht einmal erwähnt. Wie beim Schweinefleisch entsteht dadurch eine Entfremdung, die zur Verdrängung der Realität der Fleischproduktion führt.

Zusammenfassend zeigt sich, dass es, egal um welches Produkt es sich handelt, es immer ähnliche Marketingstrategien sind, die genutzt werden. Bei Fleischprodukten sind es häufig Entfremdungsstrategien, die dem Konsumenten keinerlei Bezug zwischen Tier und Produkt aufzeigen, wodurch eine Ignoranz über die bestehenden Missstände in der Tierhaltung und der Produktion von Fleisch und Fleischprodukten entsteht. Wenn es der breiten Masse bewusster wäre, unter welchen genauen Umständen ihre Lebensmittel produziert wurden, würden sich bestimmt einige für eine pflanzenbasierte Alternative entscheiden.
Bei tierischen Erzeugnissen, wie Eiern und Milch, wird der Zusammenhang von Tier und Produkt zwar meistens deutlich aufgezeigt, die Umstände in Haltung und Produktion werden jedoch geschönt und vermitteln teilweise ein zur Realität konträres Bild.
Es liegt jedoch trotzdem in der Hand des Konsumenten, sich immer wieder bewusst zu entscheiden, welche Form der Ernährung individuell gesehen, als ethisch korrekt empfunden wird. Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, kann schon viel erreicht werden. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, aktiv zu sein, sich selbst zu informieren und diese Informationen zu reflektieren.