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Die Vermarktung der Tiere (4/4) – Kühe und Milchproduktion

Bei der Milchproduktion findet die Differenzierung von Tier und Produkt im Marketing zwar in deutlich geringerem Maße als bei der Fleischproduktion statt, doch auch hier sind die Vorstellung und die Darstellungen in der Vermarktung davon, wo das Produkt herkommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde, nicht wirklich mit der realen Situation der Tiere vereinbar. Die Werbung für Milch und Milcherzeugnisse und deren Produktdesign vermitteln ein Bild, welches kaum Raum für Zweifel an der ethischen Korrektheit des Kaufs eines solchen Produkts zulässt. Warum sollte es falsch sein, eine zufriedene Kuh, die ihre Tage auf einer grünen Wiese verbringt, zu melken und ihre Milch zu trinken und zu verarbeiten? Solche Darstellungen zeichnen jedoch nicht das Bild eines modernen Milchbetriebs, wie er heute standardmäßig geführt wird, sondern zeigen vielmehr eine Version der Haltung und Milchproduktion, die vielleicht vor 150 Jahren repräsentativ gewesen wäre.

Ein Beispiel für ein Unternehmen, die eine solche Vermarktungsstrategie verfolgt, ist die Marke Landliebe. Diese Marke hat ein überdurchschnittlich gutes Image, Kunden zahlen mehr, obwohl die Haltung der Tiere sich nicht von der, anderer konventioneller Betriebe unterscheidet. Auch hier zeigt sich, dass die Werbung sich maßgeblich auf den Verkaufserfolg eines Produkts auswirkt. Es wird in der Werbung ein Bild vermittelt, das nicht so recht zu den Zahlen passen will. In Deutschland werden ca. 4,3 Millionen Milchkühe gehalten. Die konventionelle Haltung ist im Tierschutzgesetzt und der Nutztierhaltungsverordnung nur durch ungefähre Vorgaben geregelt. Nur ca. 42% der Milchkühe werden auf die Weide gelassen, der Trend ist sinkend. Grund dafür ist vor allem der Energiebedarf der auf Hochleistung (Milchleistung von bis zu 50 kg am Tag) gezüchteten Kühe – das Futter auf der Weide deckt diesen nicht, ganz im Gegensatz zum Kraftfutter und der Silage, die man den Kühen im Stall füttern kann. Die hohe Milchleistung ist jedoch keineswegs natürlich, sondern in hohem Maß belastend für die Kühe: Krankheiten wie z.B. Euterentzündungen und Lahmheiten sind keine Seltenheit. Da die Behandlungskosten jedoch nicht in Relation zum wirtschaftlichen Wert einer Kuh stehen, werden die kranken Kühe fast ausnahmslos zum Schlachten aussortiert. In Deutschland kommen etwa 35% des Rindfleischs aus Milchbetrieben.


Ein weiterer Aspekt, der im Marketing von Milch und Milchprodukten nie beleuchtet wird, hat mit Kälbern zu tun: Kuhmilch ist, was man durch die Normalisierung des Trinkens dieser häufig ausblendet, wie bei allen anderen Säugetieren auch, Muttermilch. Diese kann logerweise von der Kuh nur dann produziert werden, wenn die Kuh schwanger ist, oder gerade ein Kalb zur Welt gebracht hat. Daraus resultieren direkt zwei große Probleme. Damit eine Milchkuh “genug” Milch produzieren kann, lebt sie in einer Art Dauerschwangerschaft. Dafür wird sie jedes Jahr künstlich befruchtet. Dies ist nicht nur in hohem Maße unnatürlich, sondern auch eine starke körperliche Belastung für die Kuh. Das zweite Problem ergibt sich nach der Geburt des Kalbs: Durch das Säugen des Kalbs entsteht ein wirtschaftlicher Schaden für den Milchbauern – Die Milch, die das Kalb trinkt, kann der Bauer nicht verkaufen. Die Konsequenz ist eine unfassbar frühe Trennung des Kalbs von seiner Mutter. Im Normalfall wird das Kalb nach höchstens einem Tag von seiner Mutter getrennt, was enormen Stress für die Kühe und Kälber bedeutet und unter anderem zu Verhaltensstörungen führen kann.