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Die Vermarktung der Tiere (2/4) – Schweine

Bei Schlachttieren sind die Möglichkeiten der positiven Darstellung der Lebenssituation nicht allzu vielfältig. Aus diesem Grund sieht man beinahe nie Werbung für Fleischprodukte, in denen das Tier selbst zu sehen ist. Auch in Sachen Produktdesign ist die Abbildung des Tieres auf einer Verpackung eines Fleischproduktes so gut wie nie gegeben. Es ist bei Schlachttieren viel eher so, dass das Produkt scheinbar keinerlei Verbindung zum Tier hat. So entsteht eine Distanzierung des Endkonsumenten zur Realität, die zu einer möglicherweise kompletten Verdrängung der Tatsache führt, dass es sich zum Beispiel bei dem Würstchen auf dem Grill um ein geschlachtetes Lebewesen handelt.


Ebenfalls werben Hersteller mit Begriffen wie zum Beispiel Bio. Als Verbraucher hat man vielleicht eine gewisse Vorstellung davon, was diese Bezeichnung bedeutet, die genauen gesetzlichen Regelungen kennen jedoch die wenigsten. Es gibt verschiedene Bio-Siegel, die meisten Hersteller richten sich jedoch nach dem EU-Bio-Siegel. Das Siegel gibt in Hinblick auf die Tierhaltung die zulässige Anzahl von Tieren pro Hektar und biologisches Futtermittel vor, verbietet die präventive Verabreichung von Antibiotika und Gentechnik und gebietet artgerechte Haltungsformen. Was jedoch genau “artgerechte Haltung” ist, wird nicht genauer definiert. Bei Mastschweinen zum Beispiel gibt es folgende Vorgaben: Dem Schwein steht “Auslauf” zu, dies ist ebenfalls nicht genauer definiert. Den Bio-Schweinen steht also kein Weidegang zu. Solange das Schwein unter 50 kg wiegt, ist eine Stallfläche von mindestens 0,8 qm vorgesehen. Die Fläche erweitert sich mit zunehmendem Gewicht: Das gesetzlich geregelte Maximum der Mindestgröße beträgt bei der Stallfläche 1,5 qm und 1,2 qm bei der Außenfläche. Das sind nicht einmal 3 qm für über 110 kg schweres Schwein (durchschnittliches Gewicht bei der Schlachtung). Diese Vorgaben führen zwar zweifellos zu einer Verbesserung im Gegensatz zu konventionellen Schweinemastbetrieben (laut Tierschutz- Nutztierhaltungsverordnung 1 qm Stallfläche ab 110 kg), mit artgerechter Haltung hat jedoch auch der Bio-Schweinemastbetrieb wenig zu tun. Selbst wenn man beim Kauf von Schweinefleisch also zur Bio-Variante greift, ist fraglich, ob das Schwein tatsächlich ein “glückliches” Leben hatte. Nebenbei bemerkt, beträgt der Anteil des biologisch produzierten Schweine- und Hähnchenfleischs in Deutschland durchschnittlich weniger als 2% – ein verschwindend geringer Anteil, wenn man bedenkt, dass allein in Deutschland im Jahr 2019 55 Millionen Schweine geschlachtet wurden.