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Ist es leicht, auf tierische Produkte zu verzichten?

Eine vegane Ernährung hat viele Vorteile: Sie ist besser fürs Klima, besser für die Gesundheit und nicht zuletzt besser für die Tiere. Doch die Vorstellung, tierische Produkte komplett vom Speiseplan zu streichen, kann auch einschüchternd oder abschreckend sein. Hierbei geht es zum einen um den Geschmack. Man isst die tierischen Lebensmittel ja nicht, um den Tieren oder der Umwelt zu schaden, sondern weil sie gut schmecken und auch der Gewohnheitsaspekt ist ausschlaggebend dafür, wie man sich ernährt. Weiterhin kommen soziale Gründe hinzu, die die Art der Ernährung beeinflussen.

Vegane Ernährung bedeutet für viele primär Verzicht und leckeres Essen bedeutet Lebensqualität, deswegen wird die Möglichkeit einer Ernährungsumstellung teilweise von vornherein ausgeschlossen. Doch ist es tatsächlich so, dass man bei einer veganen Ernährung starke Einbußen hat, wenn es um den Geschmack geht? Diese Frage lässt sich natürlich nicht allgemeingültig beantworten, da Geschmäcker ja bekanntlich verschieden sind, aber zumindest lässt sich festhalten, dass veganes Essen sich geschmacklich nicht unbedingt stark von anderem Essen unterscheiden muss. Einerseits sind viele “normale” Gerichte sowieso schon vegan und andererseits gibt es inzwischen so viele vegetarische Fleisch- und Milchalternativen, dass man eigentlich gar nicht wirklich verzichten muss. Gerade bei stark verarbeiteten Fleischprodukten wie Aufschnitt, Würstchen oder Nuggets, gibt es vegane oder vegetarische Alternativen, die sich in Geschmack und Konsistenz so gut wie gar nicht vom Original unterscheiden. Schwieriger wird es natürlich bei Produkten, die den Rohstoff Fleisch imitieren sollen, da es deutlich schwieriger ist, vor allem die Konsistenz auf pflanzlicher Basis herzustellen. Aber selbst hier gibt es inzwischen erstaunlich gute Produkte (z.B. Like Chicken von Like Meat). Bei Milchalternativen und Alternativen zu Milchprodukten sind die Unterschiede sogar noch geringer. Gerade Produkte wie vegane Puddings und Fruchtjoghurts stehen ihrem Kuhmilch-Vorbild in nichts nach. Auch Butter-, Käse- und Sahnealternativen gibt es in verschiedensten Formen und sie eignen sich super zum substituieren.

Tierische Lebensmittel sind so stark in den Alltag eingebunden, dass man erstmal aus seiner Komfortzone raus und seine Gewohnheiten ändern müsste. Es fängt an bei der Milch im Kaffee am Morgen und zieht sich durch den ganzen Tag. Hier ist einfach die Frage, wie man damit umgehen möchte. Zuhause lässt sich das Essverhalten am einfachsten anpassen, da man ja selbst in der Hand hat, was man einkauft oder bestellt. Sobald andere Leute involviert sind, kommt jedoch auch die soziale Komponente der Ernährungsumstellung hinzu. Zwar liegt eine vegane Ernährung im Trend und auch viele Nicht-Veganer sehen eine vegane Ernährung sehr positiv, aber es kann auch mal nicht so einfach sein, beispielsweise seiner Familie oder seinem Partner zu erklären, dass man von nun an auf tierische Produkte verzichtet. Gerade die ältere Generation kann häufig nicht verstehen, warum es zu dieser Entscheidung kommt, und es werden Sorgen und Bedenken geäußert, die sich zum Beispiel auf die Gesundheit beziehen. Diese Art der Infragestellung einer grundlegenden Entscheidung aus dem näheren Umfeld kann sehr nervig sein. Aber wie eigentlich in allen Bereichen des Lebens, sollte man seine eigenen Entscheidungen nicht von der Meinung Dritter abhängig machen.

Der soziale Aspekt umfasst aber auch Situationen, in denen die vegane Ernährung vielleicht nicht hinterfragt, aber zumindest nicht beachtet wird. Das kann zum Beispiel das Grillen mit der Familie sein, bei dem nur Fleisch gegrillt wird, oder das Mittagessen mit den Kollegen, in einem Restaurant, in dem es keine veganen Gerichte gibt. Wenn die Ernährungsumstellung erst vor kurzem passiert ist, muss man vielleicht etwas Nachsicht haben und den Anderen Zeit geben, diesen neuen Umstand zu verinnerlichen. Man kann außerdem nicht erwarten, dass das eigene Umfeld immer im Kopf hat, wer sich wie ernährt. Hier ist es eine gute Möglichkeit, die Planung selbst in die Hand zu nehmen, oder die Anderen aktiv zu bitten, eine Lösung zu finden, mit der alle zufrieden sind. Natürlich gibt es in letzter Instanz immer die Möglichkeit, sich sein eigenes Essen mitzubringen.

Allgemein ist es eigentlich relativ einfach, sich vegan zu ernähren. Natürlich ist das auch eine ganz individuelle Angelegenheit, da erstens jeder Mensch einzigartig ist und zweitens auch das soziale Umfeld eine nicht unwichtige Rolle spielt. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass wenn der Wille da ist, genug Möglichkeiten vorhanden sind, ohne Verzicht auf Genuss, die Umstellung zu einer pflanzenbasierten Ernährung zu schaffen. Um nicht den Fokus zu verlieren, hilft es, sich immer wieder zu informieren und sich bewusst zu machen, warum man tierische Lebensmittel vermeiden möchte.