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Soja und seine Vorurteile

Bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung wird häufig zu Ersatzprodukten gegriffen und für die Herstellung dieser Produkte dient häufig Soja als Basis. Der allgemeine Ruf der Sojabohne ist jedoch in westlichen Kulturen nicht besonders gut. Ob die Vorurteile jedoch wirklich begründet sind, soll in diesem Beitrag geklärt werden.

Ein Vorurteil über Soja ist, dass es ungesund sei. Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass Soja ein guter Lieferant für pflanzliches Eiweiß ist. Eiweiß ist insbesondere bei einer veganen Ernährung gar nicht mal so leicht zu finden. Dennoch braucht der Körper bei einem Gewicht von 60 kg knapp 50g Eiweiß am Tag. 100 g Soja enthält ca. 15,5 g Eiweiß, im Vergleich dazu hat zum Beispiel ein Suppenhuhn pro 100g nur 15g Eiweiß und dazu mehr als doppelt so viel Fett wie Soja. Soja ist weiterhin sehr cholesterinarm, was ihn von den meisten tierischen Eiweißquellen unterscheidet. Was manche Leute bei Soja für bedenklich halten, sind die sogenannten Isoflavone. Diese finden sich in verschiedenen Pflanzenarten und sind vom Stoffaufbau dem Hormon Östrogen ähnlich. Daher kommt die Diskussion über die hormonelle Wirksamkeit von Soja. Ob eine solche Beeinflussung tatsächlich der Fall ist, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. In asiatischen Ländern, in denen traditionell deutlich mehr Soja gegessen wird, als in westlichen Kulturen, gibt es in dieser Hinsicht die Beobachtung, dass Frauen weniger stark an den Symptomen der Wechseljahre leiden. Demnach könnte eine hormonelle Wirksamkeit vorliegen, die aber eher positive Folgen hat.

Ein weiteres Vorurteil über Soja ist, dass es häufig genmanipuliert sei. In der EU müssen Lebensmittel, die ganz oder auch nur teilweise genetisch manipuliert sind, deutlich als solche gekennzeichnet sein. Meistens haben die Sojaprodukte, die im Supermarkt erhältlich sind, ohnehin ein Bio-Siegel, was sie als genetisch manipuliertes Lebensmittel ausschließt. Man muss also prinzipiell keine Angst davor haben, aus Versehen genmanipulierte Sojaprodukte zu kaufen. Wo in dieser Hinsicht jedoch tatsächlich Grund zur Sorge besteht, ist beim Verzehr von tierischen Produkten wie Milch, Fleisch und Eiern. Das gängige Tierfutter hat häufig einen hohen Sojaanteil und dieser Soja unterliegt, dadurch, dass er eben nicht zum menschlichen Verzehr genutzt wird, deutlich weniger Vorgaben und ist in den meisten Fällen tatsächlich genmanipuliert. Der Satz “Du bist, was du isst” gilt auch für Tiere: Die Stoffe aus dem genmanipulierten Futtermittel gehen auf das Tier über und somit auch auf das Nahrungsmittel, was der Endkonsument dann zu sich nimmt. Wenn man also wirklich wegen genmanipulierter Sojabohnen besorgt ist, sollte man eher auf Kuhmilch, als auf Sojamilch verzichten.
Neben den gesundheitlichen Aspekten gibt es weiterhin die Sorge, dass für die Sojaproduktion der Regenwald abgeholzt wird. Dieser Punkt ist jedoch nicht so pauschal zu beantworten. Ja, viel Fläche des Regenwaldes wird und wurde gerodet, um dort Soja anzubauen und das empfinden viele Menschen zurecht als besorgniserregend. Doch ein Großteil der dort angebauten Sojabohnen wird nicht, wie man vielleicht denken würde, für den menschlichen Verzehr genutzt, sondern zur Herstellung von Tierfutter. Nur ungefähr 3-6 % der Sojaernte wird pro Saison für den menschlichen Verzehr genutzt. Abgesehen davon verwenden die meisten Unternehmen, die in Deutschland Sojaprodukte verkaufen, vor allem Sojabohnen aus der EU und aus Kanada. So zum Beispiel Alpro und Alnatura. Wenn man also ein bisschen drauf achtet, was man für Produkte kauft, kann man Regenwald-Soja eigentlich gut vermeiden.

Die beleuchteten Vorurteile haben alle irgendwo ihren Ursprung und bei der oberflächlichen Betrachtung ist auch ersichtlich, warum es Menschen gibt, die Soja bedenklich finden. Tatsächlich sind alle Punkte beim näheren Hinschauen jedoch nicht unbedingt so, wie sie scheinen. Wie in allen Themenbereichen zeigt sich auch bei Soja, dass man die Dinge von mehreren Seiten betrachten muss, um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu kommen. Der Sojakonsum, wie man ihn in Deutschland betreiben kann, ist (außer bei einer Allergie oder einer Schilddrüsenunterfunktion) gesundheitlich unbedenklich und auch ökologisch gut vertretbar.