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Vegane Ernährung und Ersatzprodukte

Wer sich vegan ernährt, kennt die Fragen: Ist es nicht total teuer, sich vegan zu ernähren? Und ist es nicht schlecht, so viele Ersatzprodukte zu essen?

Zunächst einmal: Wie bei allem Ernährungsformen, kommt es auch bei einer veganen Ernährung darauf an, was man kauft, wie häufig man essen geht oder Essen bestellt und wo man einkauft. Es hat also erstmal weniger mit der Form der Ernährung zu tun, wie viel man im Endeffekt bezahlt, sondern mehr mit den anderen genannten Faktoren. Auch die Frage, ob der Konsum veganer Ersatzprodukte allgemein schlecht für die Gesundheit ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Auch hier kommt es auf das einzelne Produkt an und die Häufigkeit, mit der solche verzehrt werden.

Die meisten Menschen in unserem Kulturkreis, die sich vegan ernähren, tun dies, um einen positiven Beitrag in Hinblick auf das Wohl der Tiere und das Klima zu leisten. Hinzukommt der gesundheitliche Aspekt: Durch eine vegane Ernährung fallen viele Lebensmittel weg, die einen hohen Fett- und Cholesteringehalt haben, wie zum Beispiel rotes Fleisch. Weiterhin fallen auch viele stark verarbeitete Lebensmittel, wie Fertiggerichte oder Süßigkeiten weg, da diese häufig Zutaten enthalten, die tierischen Ursprungs sind. Diese Lebensmittel haben meistens ebenfalls einen hohen Fett- und Zuckergehalt. Man sollte meinen, dass eine vegane Ernährung dementsprechend automatisch gesünder ist. Da kommen die Ersatzprodukte ins Spiel. Dieser Punkt wird bei Diskussionen über vegane Ernährung häufig angeführt. Ersatzprodukte seien ungesund, unnatürlich und voller Chemie und zusätzlich noch völlig überteuert. Doch was ist an diesen Aussagen eigentlich wirklich dran?

“Ersatzprodukte sind ungesund.”

Zunächst einmal muss unterschieden werden, um was für ein Ersatzprodukt es sich handelt. Gerade Milchersatzprodukte, wie Mandel-, Nuss-, oder Hafermilch sind häufig völlig unbedenklich und bestens für den täglichen Verzehr geeignet. Es gibt mehrere Optionen, bei denen sich die Zutatenliste auf Wasser, die jeweilige Basis (z.B. Mandel, Hafer, etc.), ein Süßungsmittel (z.B. Zucker, Agavendicksaft, etc.) und einen Stabilisator, meistens Gellan, beschränkt. Oft gibt es auch eine ganz ungesüßte Variante. Fleischersatzprodukte sind häufig deutlich stärker verarbeitet. Ein Beispiel, der vegane Mühlenburger von Rügenwalder Mühle. Der Zutaten sind folgende: Trinkwasser, 16% Sojaproteinkonzentrat, Rapsöl, Zwiebeln, Weizengluten, Kochsalz, Branntweinessig, Verdickungsmittel: Methylcellulose, Aroma, Weizenstärke, färbende Lebensmittel: Konzentrat aus Rote Beete, Karotte, Rettich. (Infos von www.ruegenwalder.de/produkte). Natürlich sind das schon viele Zutaten für ein Produkt, aber richtig schlimm sieht das nicht aus. Dazu kommt, dass nicht empfohlen wird, Fleischersatzprodukte auf täglicher Basis zu konsumieren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen, 300-600g Fleisch in der Woche zu essen. Diese Empfehlung kann man als Leitlinie für den Konsum von Fleischersatzprodukten nehmen und in dieser Menge kann man eine Gesundheitsgefährdung durch Fleischersatzprodukte ausschließen.

“Ersatzprodukte sind unnatürlich und voller Chemie.”

In gewisser Weise ist diese Aussage völlig zutreffend. Veganes Hackfleisch wird man so in der Natur niemals finden. Aber man wird in der Natur auch niemals einen Laib Brot oder eine Scheibe Käse finden. Das Argument, dass ein Lebensmittel schlecht ist, weil es unnatürlich ist, sollte man also am besten schnell wieder verwerfen. Auch die Aussage, dass Fleischersatzprodukte voller Chemie sind, ist zutreffend. Was man jedoch schnell vergisst, ist dass ausnahmslos alle Lebensmittel chemisch zusammengesetzt sind, ob sie nun verarbeitet sind, oder nicht. Das sollte also kein Grund sein, irgendetwas nicht zu essen und das macht sie auch nicht ungesünder.

“Ersatzprodukte sind teuer”

Das sollte kein Argument für oder gegen ein bestimmtes Lebensmittel sein, denn jeder kann selbst entscheiden, ob er es kaufen möchte, oder nicht. Außerdem ist diese Aussage auch gar nicht allgemeingültig zutreffend. Die H-Milch von Weihenstephan kostet z.B. 1,39 € bei Rewe, der dmBio-Haferdrink hingegen nur 0,95 €. Andererseits kostet die H-Milch von ja! Nur 0,65 €, während die Hafermilch von Oatly z.B. 1,99 € kostet (jeweils Stand: 06/20). Es kommt wie gesagt darauf an, welches Produkt man wo einkauft. Gleiches gilt für Fleisch und Fleischersatz, wobei man hier sagen muss, dass die Fleischpreise beim Discounter schon deutlich niedriger sind, als die der gängigen Fleischersatzprodukte. An dieser Stelle sollte man sich jedoch fragen, wie es sein kann, dass ein Produkt aus Weizenprotein teurer ist, als ein Lebewesen, welches gehalten, gefüttert, aufgezogen, geschlachtet und verarbeitet werden musste, um als fertiges Lebensmittel verkäuflich zu sein. Es ist relativ offensichtlich, dass es hier die Fleischpreise sind, die völlig unangemessen sind.

Die Argumente sind also alle relativ leicht zu relativieren, bzw. zu widerlegen. Ersatzprodukte sind weder prinzipiell ungesund und schon gar nicht ungesünder als das tierische Original, noch sind sie unnatürlicher. Teurer sind sie tatsächlich schon ein bisschen. Die Preise sind jedoch durchaus angemessen und außerdem man ist bei einer veganen Ernährung keineswegs auf sie angewiesen. Solange man Ersatzprodukte in einem angemessenen Rahmen konsumiert, muss man dadurch keine negativen Konsequenzen, sowohl in gesundheitlicher, als auch in finanzieller Hinsicht, erwarten.